FAQ´s PFC

Was versteht man unter PFC

  • Was ist PFC ?

    PFC ist die Abkürzung für poly- und perfluorierte Chemikalien, übersetzt: vielfach und vollständig mit Fluoratomen angereicherte Stoffe. Es gibt etwa achthundert solcher Verbindungen. Sie lassen sich in kurzkettige und langkettige PFC unterscheiden. In die zweite Gruppe gehören die häufig genannten PFOA und PFOS. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung können PFC beispielsweise wasserabstoßend sein, eine Eigenschaft, die zu vielfältigen Einsatzbereichen führt, z. B. regenabweisende Oberflächen und Kleidungsstücke, spezielle Papiere, Putz-, Imprägnier- und Löschmittel. Die Nachteile ergeben sich vor allem daraus, dass sich PFC, die in der Natur nicht vorkommen, nicht von selbst abbauen.

  • Wie gefährlich ist PFC ?

    Über die Bewertung der Gefahr für den Menschen gehen die Meinungen auseinander. Es ist verständlich, dass besorgte Bürger alarmiert sind. Die betroffenen Verwaltungen wollen eher beruhigen. Und was sagt die Wissenschaft? Einige neuere Studien nähern sich dem Problem an und versuchen dabei auch, die Grenz- und Richtwerte für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch PFC-Belastungen genauer zu bestimmen. In der Trinkwasserverordnung gibt es immer noch keinen Grenzwert für PFC, Richtwerte wurden bislang theoretisch und behördlich festgelegt, geben also keine belastbare und erschöpfende Auskunft über die tatsächlichen Gefahren und garantieren keine Sicherheit für die Gesundheit der Verbraucher. Nach wie vor existieren keine erschöpfenden Untersuchungen darüber, welche Auswirkungen PFC im menschlichen Körper hervorrufen, und keine verlässlichen Erkenntnisse über Langzeitschäden. Im Tierversuch haben sich verschiedene Folgen ergeben. In Ratten und Mäusen konnten PFC Krebstumore verursachen, die Fortpflanzung schädigen, die körperliche Entwicklung verlangsamen und die Wirkung von Medikamenten schwächen. Sicher ist für den Menschen, dass diese Stoffe vom Körper kaum ausgeschieden werden und sich nachweislich in den Organen anreichern. Leider kann man selbst nichts tun, um im Körper befindliche PFC wieder loszuwerden. In der Stellungnahme der Trinkwasserkommision (TWK) des Bundesministeriums für Gesundheit vom 07.08.2007 wird hierzu folgendes ausgeführt: „Insbesondere PFC mit mehr als acht C-Atomen zeichnen sich durch eine sehr hohe Verharrungs- und Kumulationstendenz in Blut und Leber aus. Vermutlich durch aktiven Transport gelangen sie auch in andere Organe und werden transplazentar an die nächste Generation weitergegeben.” Demnach bleiben vor allem die langkettigen PFC lange im Körper und gehen im Fall einer Schwangerschaft in das Kind über. Die TWK hat deshalb folgende Empfehlung ausgesprochen: „Im Sinne eines generationsübergreifenden, d. h. vorsorgenden Schutzes vor den stark kumulierenden Stoffen PFOA und PFOS rät die TWK erneut allen Behörden, die für die Qualität der betroffenen Gewässer und des Trinkwassers verantwortlich sind, künftige regulatorische Entscheidungen zum Schutz des Rohwassers mindestens daran auszurichten, dass der Vorsorgewert (Zielvorgabe) in Höhe von 0,1 µg/ LPFC im Trinkwasser mit Hilfe naturnaher Aufbereitungsverfahren langfristig erreicht und eingehalten werden kann.“ Für uns bedeutet dies, dass Trinkwasser grundsätzlich keine PFC-Verbindungen enthalten sollte. Solange nicht bekannt ist, wie schädlich diese Chemikalien sind, kann auch nicht von unbedenklichen Konzentrationen gesprochen werden, wie es insbesondere von politischer Seite häufig geschieht. Vielmehr muß es das Ziel sein, den Bürgerinnen und Bürgern ein, soweit technisch machbar, PFC-freies Wasser zur Verfügung zu stellen. Das gilt umso dringender, weil nicht auszuschließen ist, dass es bereits zu Gesundheitsschäden gekommen ist – insbesondere bei sensiblen Personengruppen wie Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern. Auch ist nicht mehr nachvollziehbar, wie lange die betroffenen Orte schon belastetes Wasser erhalten. Wir haben uns deshalb von Anfang an dafür ausgesprochen, dass man für betroffene Orte eine Ersatz-Wasserversorgung einrichtet und dass man die Bevölkerung einer wissenschaftlichen Blutuntersuchung unterzieht, die dazu beitragen soll, die PFC-Belastung und ihre Auswirkungen besser zu verstehen. Diese ist in diesem Jahr bewilligt worden; siehe in der Menüleiste unter dem Punkt „Blutuntersuchung“

  • Wie hat sich der PFC-Skandal entwickelt ?

    Seit über 50 Jahren befinden sich PFC und die verwandten Polyfluorierte Tenside (PFT) in der Produktion. In den 90er Jahren kamen in den USA erste Verdachtsmomente auf, dass PFT giftig sind und Krebs erzeugen können.

    In Deutschland erregte der Fall „Möhne“ (Sauerland) im Jahr 2006 Aufsehen >>mehr. Landwirte hatten Bodenverbesserer in der Nähe eines Trinkwasserspeichers eingesetzt, die mit stark PFC-haltigem, als Bioabfallgemisch deklariertem Klärschlamm versetzt waren. In der Folge gelangten diese PFC-Schadstoffe bis ins Trinkwasser und dann auch ins Blut der Bevölkerung.

    Obwohl den hiesigen Behörden spätestens seit dem Jahr 2008 bekannt war, dass einem zur landwirschaftlichen Verwertung bestimmten Kompost in den Jahren 2006 bis 2008 aus der Recyclingpapierherstellung stammende Abfälle, sog. Papierschlämme, beigemischt wurden (die weder nach der Düngemittelverordnung noch nach der Bioabfallverordnung zugelassen sind) und dieser Kompost dann auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden aufgebracht wurde, sah man sich – trotz der Parallele zum Fall „Möhne“ – nicht veranlasst, entsprechende Untersuchungen auf PFC vorzunehmen. Erst die Nachfrage einer Rastatter Gemeinderätin setzte dies in Gang, und so ist seit Herbst 2013 offiziell bekannt, dass PFC in unserer Region Natur, Mensch und die wertvollste Ressource bedrohen, das Trinkwasser. Im Frühjahr 2012 stellten die Star-Energiewerke Rastatt PFC-Belastungen im Rohwasser des Wasserwerks Rauental fest. Nach Anstieg der Werte informierte der Geschäftsführer der Star-Energiewerke Rastatt im Juli 2013 das Gesundheitsamt Rastatt über die Befunde und nahm vorsorglich das Wasserwerk Rauental außer Betrieb.

    Besonders hohe PFC-Werte zeigten sich zunächst im Bereich von Kuppenheim, das zum Wasserwerk Förch gehört und damit zum Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal. Sie führten zur gesetzlich vorgeschriebenen Warnung an sensible Bevölkerungsgruppen (schwangere und stillende Frauen sowie Kleinkinder), wenn auch nicht an alle Haushalte, sondern nur über die Zeitungen, und im Oktober 2013 zur sofortigen Stilllegung von drei der vier verbandseigenen Tiefbrunnen>>mehr.  Ende August 2014 ging ein neuer Brunnen mit vergleichsweise unbelastetem Wasser ans Netz, was den PFC-Wert in Kuppenheims Trinkwasser von 0,77 (Additionswert) auf einen Wert um 0,2 senkte>>mehr. Die PFC bleiben dadurch nach wie vor in der Umwelt, und sie bewegen sich mit dem Grundwasser. Überhaupt breiteten sich die PFC-Befunde seitdem über den weiteren Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden aus.

  • Ist unser Trinkwasser sicher ?

    Das Leitungswasser ist fast überall in unserer Region erkennbar mit PFC belastet, allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen. Wegen der PFC-Belastung sind viele Menschen, die ihr Trinkwasser vorher aus dem Hahn zu sich genommen hatten, auf abgepackte Flaschen umgestiegen, für den direkten Verbrauch oder auch sogar zum Kochen. Ob das angemessen ist oder wie weit man in der Vorsicht gehen muss, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Denn auch wenn die meisten Wasserversorger große Anstrengungen unternehmen, um das Trinkwasser möglichst PFC-frei zu halten, und Politiker versichern, der Verbrauch unseres Wassers sei unbedenklich, stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage die Sicherheit bemessen wird, solange wir über die gesundheitlichen Folgen von PFC noch wenig wissen.

  • Wo kann ich mein Leitungs- oder Brunnenwasser auf PFC untersuchen lassen ?

    Grundsätzlich können die aktuellen PFC-Werte in Ihrem Trinkwasser beim jeweiligen Wasserversorger erfragt werden. Will man genau wissen, was aus dem eigenen Wasserhahn tatsächlich ankommt, oder besitzt man einen eigenen Brunnen, kann man auch eine eigene Analyse in Auftrag geben,  hierfür gibt es spezialisierte Labore und Umweltinstitute.